Fragmente einer Brücke

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Fragmente einer Brücke

Ich sitze am Rand des Abends und betrachte die Reste meiner Hilfsbereitschaft. Es ist 22:40 Uhr.

Die Stille im Haus täuscht. Sie klingt nach Wärme, nach Familie, nach Liebe. Und doch fühlt sie sich an wie eine freundliche Invasion.

Wie seltsam es ist, kompetent zu sein. Man baut sich ein Haus aus Fähigkeiten und merkt irgendwann, dass man nicht darin wohnt, sondern darin arbeitet.

Meine Mutter, mein Onkel — keine harten Menschen. Eher sanfte. Und vielleicht ist es genau das, was es schwer macht.

Ich bin die Brücke, über die sie gehen, ohne zu fragen, ob sie trägt.
Ohne zu sehen, dass die Steine unter meinen Füßen nachgeben.

Mein Können gehört mir nicht mehr ganz. Es ist etwas geworden, das benutzt wird, ohne dass jemand fragt, ob noch etwas übrig ist.

Vielleicht ist das Erschöpfendste nicht die Hilfe selbst, sondern wie lautlos sie erwartet wird.

Morgen werde ich wieder funktionieren. Sohn sein. Neffe sein. Der sein, der es löst.

Und irgendwo in mir bleibt eine kleine Bibliothek verschlossen — voller Gedanken und Sätze, zu denen ich nur gelange, wenn einmal niemand etwas von mir will.